Ausgangslage

Die Ausgangslage in Kärnten und Osttirol

Die Kärntner Beschäftigungs- und Qualifizierungsstrategie 2020+ beschäftigt sich im Punkt 6 Handlungsfeld A mit Jugendlichen am Übergang Schule und Beruf. Als besondere Herausforderung werden definiert: „Wenn junge Menschen arbeitslos werden oder erst gar nicht den Einstieg ins Berufsleben finden, hinterlässt dies einen lebenslange Narbe, Nichts tun zu können, nagt am Selbstvertrauen. Solche Menschen lernen erst spät, auf eigenen Füssen zu stehen. Und selbst wenn sie irgendwann einen Job ergattert haben, ist ihr Risiko, bald wieder auf der Straße zu landen, ein Leben lang wenig zu verdienen und später in die Altersarmut zu rutschen besonders hoch. Dieses Schicksal tragen derzeit Millionen Jugendliche von Lissabon bis Stockholm. Es ist die Tragödie Europas.“

 

Obwohl die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich nicht so alarmierend ist wie in anderen Ländern Europas, ist sie sowohl in Kärnten als auch in Tirol bis 2016 wieder angestiegen, in Osttirol zeigt sich ein ähnliches Bild. Die derzeitige Konjunktur verbessert die Aussichten auf einen Lehrplatz wieder leicht. (Bundeslandprofil WKO). Die 2017 vorgemerkten arbeitssuchenden Jugendlichen in Kärnten sind in tatsächlichen Zahlen laut AMS Bericht 2.580 Jugendliche (1.089 weibliche, und 1.491 männliche Jugendliche AMS Beschäftigungsprofil), und in Tirol verhielten sich die Zahlen der vorgemerkten Arbeitssuchenden Jugendlichen mit 2480 Arbeitssuchenden ähnlich. An den tatsächlichen Zahlen kann man jedoch ablesen, dass im Verhältnis zu Kärnten mehr weibliche Jugendliche als männliche Jugendliche eine Lehrstelle suchen (1.091 weibliche und 1390 männliche Jugendliche in tatsächlichen Zahlen). Im Vergleich zeigt sich auch noch, dass die in Tirol der Rückgang an Jugendarbeitslosigkeit mit -16,1% etwas stärker zu Buche schlug als in Kärnten mit -15,2%. In Osttirol gab es tatsächlich nur 13 Lehrstellensuchende und denen gegenüber stehen 40 offene Lehrstellen.

 

Die Prognose hinsichtlich der Arbeitslosigkeit von Jugendlichen für die nächsten Jahre ist auf Grund der wirtschaftlichen Lage berechnet ein Sinken der Arbeitslosigkeit. (Quelle: Wirtschaftslage und Prognose WKO).

 

Jugendliche entscheiden sich heute sehr geschlechtstypisch für jeweils 5-10 Lehrberufe. Wir möchten uns im gegenständlichen Projekt auf Mädchen in männlich-konnotierten Berufen konzentrieren und damit auf die Erfahrungen von Unternehmen für Mädchen – einem Vorgängerprojekt – aufbauen.

Für junge Frauen sind die bevorzugten Ausbildungsberufe die Einzelhandelskauffrau, die Bürokauffrau und die Friseurin und Perückenmacherin. Alle weiteren Berufe werden nur mehr von einem Bruchteil der jungen Frauen gewählt. Dieses Ranking ist in den letzten Jahren nahezu unverändert geblieben. Allerdings zeigt sich, dass wenn Betriebe aktiv weibliche Lehrlinge in männlich-konnotierten Berufen ansprechen, es sehr wohl positive Beispiele gibt. So weist zB FLEX einen Mädchenanteil von ca. 30% auf. Auch in den KMUs sind immer wieder – auch im ländlichen Bereich – junge Frauen zu finden, die eine Lehre im technischen Bereich machen.

 

Auf der Seite der Unternehmen ist die Zahl der Lehrverhältnisse in Kärnten und Osttirol in den Jahren 2013 bis 2017 kontinuierlich gesunken. Es gilt neben der Attraktivität der Lehre auch die Attraktivität der Lehrberufe für geschlechtsuntypische Berufe zu stärken.

Dabei zeigt sich, dass die Bereitschaft sich für Mädchen in männlich-konnotierten Berufen zu öffnen in den letzten Jahren zugenommen hat. Dies ist einerseits dem Lehrlingsmangel andererseits auch einer jüngeren Nachfolgegeneration von Unternehmern/innen geschuldet. Auch sehen Unternehmen mittlerweile Diversität als Motor für unternehmerische Innovation – wo auch Gender Diversity ein Thema ist.