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„Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck“. Was wie eine Binsenweisheit klingt, wird spätestens am ersten Lehrtag zur Gewissheit. Stimmt die Vorbereitung vonseiten des Unternehmens nicht, verliert der Lehrling schnell den Respekt. Umgekehrt kann aber auch der neue Lehrling am ersten Tag viel falsch machen. Da hilft nur perfekte Vorbereitung. Die anerkannte Lehrlingsexpertin Vittoria Bottaro gibt deshalb wertvolle Tipps, wie der erste Lehrtag ein voller Erfolg wird. Und dabei sind die einfachsten Dinge oft die Wichtigsten.

Tipps für den Lehrbetrieb

Den Lehrling am ersten Tag beim Firmeneingang abholen

Es ist Montagmorgen und der Lehrling kommt zu der im Betrieb üblichen Uhrzeit: Es ist stressig, die Arbeitseinteilung beginnt und plötzlich steht da ein verschreckter junger Mann im Weg. „Genau so soll es nicht laufen“, erklärt Bottaro, „am ersten Tag sollte der neue Lehrling gleich beim Firmeneingang von einem Mitarbeiter abgeholt werden. Der nächste Weg führt dann ins Personalbüro um die notwendigen Formalitäten zu klären“. Damit das klappt, muss bereits im Vorfeld ein Zuständiger im Unternehmen bestimmt werden. Sonst vergeht schnell ein halber Tag – mit Ratlosigkeit, mit Zuschauen, mit Herumstehen.

Dem Lehrling gleich die Werte des Unternehmens vorleben

Planlosigkeit am ersten Lehrtag wäre ein denkbar schlechter Start. Warum? Weil sich der Betrieb von seiner schlechtesten Seite präsentiert. Er signalisiert dem Lehrling: „Du bist uns nicht wichtig, wir brauchen Dich nicht als Arbeitskraft, deine Arbeitszeit ist nicht kostbar!“ Und das hat weitreichende Folgen für den beruflichen Alltag. Beim Lehrling kommt das im Regelfall nämlich so an: „Hier geht es eher locker zu, da kann ich eine ruhige Kugel schieben!“ Darum rät Bottaro: „Zeigen Sie als Lehrbetrieb von Anfang an, welche Werte Ihnen wichtig sind. Wenn ich authentisch auftrete und meine Werte nicht nur bespreche, sondern sie auch lebe, dann nimmt der Lehrling das als ersten Auftrag wahr. Kurz: Führen durch Vorbild.“

Den Lehrling am ersten Tag nicht überfordern

Für den neuen Lehrling ist erstmal alles fremd. Angefangen bei den Kollegen, dem Gebäude, den Arbeitsplätzen und vor allem – den Regeln. Die alltäglichen Routinen und auch der Arbeitsalltag sind klar strukturiert, aber genau diese Struktur kennt der Lehrling eben noch nicht. Denn neben dem Fachwissen muss der Lehrling auch den „Hausbrauch“ des Betriebs erst kennenlernen. Und hier beginnt oft das Problem: Auf die Dosis kommt es an. „Der Lehrling sollte am ersten Tag auf keinen Fall überfordert werden“, warnt Bottaro, „das führt sonst rasch zu Frustration auf beiden Seiten.“

Die neuen Kollegen vorstellen und wichtige Inhalte wiederholen

Am besten stellt man den Lehrling den Kollegen vor. Je nach Größe des Unternehmens entweder allen Kollegen, oder nur jene in der Abteilung, oder nur die Kollegen in seinem direkten Aufgabenbereich. Das ist ein Akt der Wertschätzung und der Höflichkeit sowohl den eigenen Mitarbeitern gegenüber, als auch gegenüber dem neuen Lehrling. „Sie als Vorgesetzter sollten bedenken,“, rät Bottaro, „dass ihre Lehrlinge junge Menschen sind und keine Gedächtniskünstler. Sie können sich nicht alles gleich am ersten Tag merken. Es ist also für beide Seiten hilfreich, wenn Sie die Informationen dosieren und auf mehrere Tage aufteilen. Am nächsten Tag kann dann auch gleich das Wichtigste vom Vortag wiederholt werden. Gezielte Wiederholung macht es dem Lehrling leichter, sich neue Inhalte zu merken.“