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Interview mit Paul Meschuh, dem Regisseur des Dokumentarfilms „Frauen am Werk“ zum Thema „Weibliche Lehrlinge in technischen Berufen“. Dieser Film wurde im Rahmen des Projektes „Unternehmen für Mädchen“ produziert.

 
Unternehmen für Mädchen: Wie war die Arbeit am Film „Frauen am Werk“?

 
Paul Meschuh: Die jungen Frauen haben sich durch hohe Eloquenz ausgezeichnet. Sie waren sehr offen, sie waren bereit, viel von sich preiszugeben, viel von sich zu erzählen, etwa, wie es ihnen persönlich geht. Man musste nicht nachbohren. Vor den Interviews hatten wir mehrere Vorgespräche, da war die Stimmung sehr ausgelassen. In der Gruppe wurde das Thema besprochen und da hat sich relativ schnell abgezeichnet, dass sie großteils gleicher Meinung sind und dass sie in weiten Teilen dieselben Erfahrungen gemacht haben.

 
Unternehmen für Mädchen: Interessant, dass Sie von ausgelassener Stimmung sprechen – der Film wirkt auf mich recht illusionslos.

 
Paul Meschuh: Ich sehe das grundsätzlich auch so. In den Vorgesprächen wurde klar, dass sie viele Erlebnisse teilen, sie haben sich gleich miteinander verbunden gefühlt. Dies führte zu dieser ausgelassenen Stimmung. Das konkrete Thema war mir natürlich schon vorher nicht unbekannt und es ist doch immer wieder erschütternd, welche Haltungen man in diesem Zusammenhang antrifft. Ich meine damit die konkreten Bedingungen, unter denen die jungen Frauen arbeiten und mit welchen Vorurteilen sie konfrontiert sind.
Generell würde ich aber trotzdem sagen, was bei diesem Film für mich herauskommt, ist eigentlich eine ganz enorme Stärke dieser Frauen. Der Tenor des Films ist für mich: Uns wird nicht vertraut und zugetraut, diese Arbeit zu leisten und deshalb machen wir von vornherein gleich einmal mehr und gehen mit einem viel höheren Engagement rein, als das vielleicht die Männer tun. Das beweist eine enorme Stärke und deshalb sehe ich das eher als positiv.

 
Unternehmen für Mädchen: Sie haben auch in Unternehmen gedreht – haben Sie einen Eindruck bekommen, auf welche Unternehmenskulturen Mädchen treffen?

 
Paul Meschuh: Da waren wir zu kurz in den Unternehmen. Aus einem anderen Kontext kann ich allerdings ein positives Beispiel nennen: Wir haben ja einen großen Film für Siemens gemacht und dort ist es so, dass die Frauen gänzlich angekommen sind. Sie haben beispielsweise sehr viele Schweißerinnen, das scheint da sehr gut zu funktionieren und hat sicher damit zu tun, dass die das schon länger machen. Kulturveränderungen brauchen halt Zeit.

 
Unternehmen für Mädchen: Was war in der Arbeit an diesem Film für Sie überraschend? Womit hätten Sie nicht gerechnet?

 
Paul Meschuh: Das Überraschendste ist die Eindeutigkeit der Überschneidungen in den Gechichten der jungen Frauen. Wir haben ja im Vorfeld gecastet und schon da wurden diese extrem starken Überschneidungen in den Erfahrungen deutlich. Die Geschichten gleichen sich so sehr, dass es einfach keine Einzelfälle sein können. Etwa, dass sie sich behaupten mussten, dass man ihnen nicht zutraut, etwas zu heben, dass alle der Meinung sind, Frauen wären genauer.

 

Unternehmen für Mädchen: Sie haben angedeutet, dass Ihnen die Thematik nicht ganz unbekannt ist …

 
Paul Meschuh: Eine kleine Geschichte dazu: Ich habe ein Stipendium gegründet, es nennt sich Atelier 29 – ein Stipendium für junge Kreativschaffende in der Steiermark. Junge Selbstständige arbeiten meist von zu Hause aus. Über das Stipendium bekommen sie Büro und Infrastruktur, um multimedial arbeiten zu können. Interessant war, dass wir keine einzige weibliche Bewerberin hatten. Wir haben keine Ahnung, warum. Eine Vermutung war, dass die Multimedia-Branche männlich dominiert ist, oder dass sich junge Frauen seltener selbstständig machen. Unser Marketing hatten wir überhaupt nicht auf Männer ausgerichtet. Wir machen jetzt noch eine Kampagne, die sich explizit an Frauen richtet.

 
Unternehmen für Mädchen: Sie wählen da einen interessanten Ansatz: Die jungen Frauen, die wir interviewt haben, haben sehr deutlich gesagt, dass sie speziell angesprochen werden möchten. Erst wenn ein Unternehmen explizit sagt „Wir freuen uns auch über Bewerbungen von Mädchen“ wird das überhaupt erst in Betracht gezogen, sich zu bewerben. Sonst herrscht offensichtlich die Vorannahme, „das ist eh nichts für mich als Frau“.