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Seit jeher gilt das Streben nach Zufriedenheit, Wohlbefinden und Glück als wünschenswertes Ziel des Lebens. Die Untersuchung von Glück führte jedoch lange Zeit ein Schattendasein in der ökonomischen Forschung. Seit geraumer Zeit gehört allerdings auch die sogenannte „Glücksforschung“ verstärkt zum Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen.

Hohe Lebenszufriedenheit in Österreich

Eine gängige Möglichkeit ist diesbezüglich, die Lebenszufriedenheit (sogenannte „Life Satisfaction“) als Maß für das individuelle Glück und Wohlbefinden heranzuziehen, welche eine subjektive, rückblickende Bewertung der eigenen Lebenssituation auf einer Skala von 0 („ganz und gar nicht zufrieden“) bis 10 („ganz und gar zufrieden“) darstellt. Wirft man einen Blick auf aktuelle, internationale Erhebungen so wird deutlich, dass Österreich im EU-Vergleich mit einem Mittelwert der Lebenszufriedenheit von 7,8 im Jahr 2013 einen Spitzenplatz einnimmt und lediglich von skandinavischen Ländern wie Dänemark, Finnland und Schweden (jeweils 8,0) übertroffen wird (EU-28: 7,1; vgl. Eurostat, 2015, Quality of Life – Facts and Views 2015, S. 243).

Beschäftigung, vor allem in gutem Betriebsklima, erhöht Lebenszufriedenheit

Vor diesem Hintergrund wurde – in einem empirischen Forschungsprojekt zu Jugendarbeitslosigkeit in Kärnten – die Lebenszufriedenheit auch für Kärnten detailliert untersucht; zu den zentralen Fragen zählte dabei, welche Einflussfaktoren die Life Satisfaction von Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren (mit)beeinflussen. Dabei konnte herausgearbeitet werden, dass die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen neben sozio-ökonomischen Faktoren wie etwa dem erworbenen Bildungsniveau vor allem von arbeitsmarktbezogenen Faktoren abhängt. So hat gerade der Beschäftigungsstatus einen signifikanten und erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden; bei erwerbstätigen Jugendlichen fällt der Mittelwert der subjektiven Lebenszufriedenheit signifikant höher aus als bei arbeitslosen Gleichaltrigen. Auch die Höhe des monatlichen Einkommens trägt erwartungsgemäß zum Wohlbefinden bei, dieser Effekt wird jedoch weitgehend überschätzt. Vielmehr zählen „weiche“ Faktoren des beruflichen Umfeldes wie etwa ein gutes Betriebsklima oder die adäquate Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu den zentralen Determinanten der Life Satisfaction.

Zufriedene Jugendliche: sozial vernetzt und gesund

Wirft man weiters einen Blick auf soziale Bestimmungsgründe wird deutlich, dass sowohl eine bestehende Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung aber auch die Gefahr sozialer Isolation die Lebenszufriedenheit unter den befragten Jugendlichen signifikant reduzieren. Umgekehrt zeigte sich, dass „soziale Verbundenheit“, d.h. auf ein entsprechendes soziales Netzwerk wie etwa persönliche Unterstützung von Freund/innen und Familie in zahlreichen Lebenslagen zurückgreifen zu können, aber auch ehrenamtliches Engagement positiv mit der Zufriedenheit der Jugendlichen korreliert. Daneben zählt der Gesundheitsstatus der Jugendlichen zu den wichtigsten Bestimmungsgründen der individuellen Lebenszufriedenheit; Jugendliche, die ihren Gesundheitszustand subjektiv „(sehr) gut“ bewerten, konstatieren auch deutlich höhere Zufriedenheitsniveaus als Jugendliche mit „(sehr) schlechtem“ Gesundheitsstatus. Verstärkt wird der gesundheitliche Einfluss, als auch psychosoziale Belastungen wie Angst vor der beruflichen und privaten Zukunft die Lebenszufriedenheit signifikant reduzieren.

Auswirkungen auf politische Strategien

Mit den durchgeführten Analysen kann ein vertiefter Blick auf die Bestimmungsgründe der Lebenszufriedenheit gegeben werden und kann dazu beitragen, die Wirkung politischer Maßnahmen auch anhand der Lebenszufriedenheit zu justieren. So lässt etwa der Zusammenhang zwischen dem Arbeitsmarktstatus oder dem Bildungsniveau einer Person und der individuellen Lebenszufriedenheit den Schluss zu, dass der Staat Reformen gerade in der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik besondere Aufmerksamkeit widmen sollte, als damit die Lebenszufriedenheit positiv stimuliert werden kann.